02.01.08
Sachsen - Automobilstandort mit Tradition und Zukunft


VON: MICHAEL STOPP



Gläserne VW-Manufaktur in Dresden

Horch, Trabant, DKW, Gläserne Fabrik, Sachsenring: Die Automobilindustrie in Sachsen hat eine langjährige Tradition. Der Grundstein für das Automobilcluster Sachsen wurde im Mai 1904 gelegt. Damals gründete August Horch die nach ihm benannten Horch-Motorenwerke und die Marke Audi.- (lat. für Horch). Später gesellten sich große Namen wie DKW und Wanderer dazu. Zu DDR-Zeiten war es vor allem das „Aushängeschild“ Trabant, das die Tradition aufrecht erhielt. Anfang der 90er Jahre vollzog sich in der Fahrzeug- und Zulieferindustrie ein radikaler Strukturwandel. Viele der stark rückständigen Betriebe mussten geschlossen werden. Einige konnten jedoch modernisiert werden. Seit der Wiedervereinigung 1990 flossen insgesamt sechs Mil. Euro in mehr als 130 Forschungs- und Entwicklungsprojekte, um die sächsischen Unternehmen auf den globalen Wettbewerb vorzubereiten.

Heute zählt Sachsen mit den fünf fahrzeug- bzw. motorbauenden Fabriken von Volkswagen, Porsche, BMW und NEOPLAN zu den Spitzenstandorten im deutschen Automobilsektor. Die überwiegend mittelständischen Kfz-Zulieferer in Sachsen haben sich als zuverlässiger Partner der großen Automobilhersteller im internationalen Wettbewerb etabliert. Mit einem Umsatzanteil von mehr als 20 Prozent (rund zehn Mrd. Euro) und einer Exportquote von rund 40 Prozent ist die Automobil- und Zulieferindustrie mittlerweile die Schlüsselbranche der sächsischen Wirtschaft. Sie ist zugleich mit 337.000 Euro Umsatz pro Beschäftigten auch die produktivste Branche in Sachsen.

Rund 65.000 Menschen in mehr als 450 Unternehmen arbeiten gegenwärtig in der sächsischen Automobilindustrie. Kennzeichnend für den Standort ist vor allem das ausgeprägtes Zuliefernetzwerk mit internationaler Ausrichtung. Das Angebotsspektrum der Zulieferer reicht dabei von A wie Antrieb bis Z wie Zubehör.

Standorte und Regionen
Zu den Zentren der sächsischen Automobilclusters zählen die Standorte Chemnitz-Zwickau-Erzgebirge sowie die Regionen Dresden, Leipzig, Zittau und Plauen.

In der Region Chemnitz - Zwickau – Erzgebirge schlägt das automobile Herz des Freistaates. Das starke Volkswagen-Engagement in Mosel und Chemnitz zog viele renommierte Zulieferer an und belebte die einheimische Zulieferindustrie. Im gesamten Automotive-Bereich verfügt die Region über rund 300 Zulieferbetriebe mit mehr als 40.000 Arbeitsplätzen. Das sind etwa zwei Drittel der gegenwärtigen Branchenkapazität in Sachsen.

Die Automobilregion Dresden wird weltweit vor allem mit einem Highlight verbunden: die "Gläserne Manufaktur" der Volkswagen AG mitten im Herzen der Elbmetropole. Hier arbeiten mehr als 800 Menschen, weitere 2.500 Arbeiter sind bei den naheliegenden Zulieferbetrieben tätig. Auch im Bereich Kraftfahrzeugelektrik/-Elektronik hat Sachsen Hauptstadt einen Namen gemacht.

Im vogtländischen Plauen werden seit 1992 vor allem Flughafen-Vorfeldbusse der Marke "NEOPLAN" gebaut. In Treuen produzieren drei international tätige Automobilzulieferer in unmittelbarer Nachbarschaft zu den  großen Automobilhersteller in Sachsen - die italienische Magnetto-Gruppe, die nordrheinwestfälische Louis Automotive AG und die Schweizer Weidmann Plastics Technology AG.

In Leipzig entwickelt sich derzeit ein neues Cluster für die Automobilindustrie. Auf einer Fläche von ca. 90 ha produziert die Porsche AG seit August 2002 das Geländefahrzeug "Cayenne" und seit August 2003 den Hochleistungssportwagen Carrera GT. Der Münchener Automobilhersteller BMW ist seit 2002 in der Region. Auf einer Gesamtfläche von 200 ha wird seit wenigen Monaten hier die BMW 3er-Reihe gefertigt. Das Einstellungsziel sind 5.000 Fachkräfte.

Zu den wichtigen Automobilstandorten in Sachsen zählt auch die Lausitz. Eingebettet zwischen den drei großen Automobilstandorten - Leipzig (BMW, Porsche), Breslau/Polen (Volkswagen) und Mlada Boleslaw/Tschechien (Skoda) – gilt die Lausitz vor allem durch ihre Nähe zu den osteuropäischen Automobilzentren als viel versprechende Wachstumsregion. International tätige Zulieferer wie die bayrische Weigl Group, die italienische Accuma Group oder das US-amerikanisch-japanische Joint Venture Cloyes Europe GmbH haben sich hier niedergelassen.








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